Ursachen

Auch die Ursachen eines Liquorlecks sind sehr vielfältig und teilweise noch nicht wirklich erforscht. Diese Lecks können prinzipiell in jedem Wirbelsäulenabschnitt auftreten.

Von einer spontanen intrakraniellen Hypotension (SIH) spricht man, wenn die Erkrankung plötzlich und vermeintlich ohne Grund auftritt. Ursachen können hier zB. ein Trauma, Sturz, eine falsche Bewegung, starkes niesen und husten sein, was das rupturieren einer Dura Schwachstelle im Bereich der Nervenwurzeln begünstigen kann. Auch der Besuch bei einem Chiropraktiker kann zu einer Ruptur der Dura führen.

Oft ist allerdings ein kleiner Knochensporn an der Wirbelsäule Auslöser für diese schwere Erkrankung. Winzige verkalkte Bandscheibenfortsätze, die die Rückenmarkshaut entlang der Wirbelsäule durchbohren wie ein scharfes Messer.

Spinalkanal mit Knochensporn

Auch Instabilitäten in der Wirbelsäule oder verkalkte Bandscheiben können die Rückemarkshäute mechanisch reizen und zu kleinen Löchern führen.

Zudem kann ein Duraleck auch versehentlich bei einer OP am Spinalkanal verursacht werden. Zum Beispiel bei Bandscheiben- oder Versteifungs OP’s, wenn nahe an der Rückenmarkshaut operiert wird. Wird das verursachte Leck sofort erkannt, kann es gleich in der OP wieder verschlossen werden.

Der postpunktionelle Kopfschmerz ist hingegen eine unerwünschte Nebenwirkung nach diagnostischen, therapeutischen oder versehentlichen Punktionen des Rückenmarkskanals, wie zB. einer Lumbalpunktion, PDA oder einer epiduralen Injektion zur Schmerzbehandlung. In den meisten Fällen reicht eine konservative Behandlung durch Bettruhe, ausreichend Flüssigkeitszufuhr, Koffein Einnahme und gegebenenfalls Schmerzmedikation. Bleiben diese Maßnahmen erfolglos, ist der nächste Schritt ein epiduraler Blutpatch. Die wichtigste Maßnahme zur Prophylaxe eines postpunktionellen Kopfschmerzes ist die Verwendung von möglichst dünnen Punktionsnadeln mit „atraumatischer“ Spitze und ausreichend Bettruhe nach der Punktion, damit das Leck zuheilen kann.

Ein erhöhtes Risiko für spontane Liquorlecks besteht bei Menschen mit Bindegewebserkrankungen wie zB. dem Ehlers- Danlos Syndrom (EDS) oder Marfan Syndrom. Hier kann die Rückenmarkshaut, die auch aus Bindegewebe besteht, ganz ohne äußere Einflüsse spontan einreißen. Auch kann es sein, dass sich nach Lumbalpunktionen oder spinaler Anästhesie sich die Punktionsstelle nich von alleine schließt.

In ganz seltenen Fällen kann auch eine direkte Fistel zwischen Liquorraum und einer epiduralen Vene bestehen. Hierbei wird der Liquor über eine Vene in den Blutkreislauf abtransporiert. Bildlich kann dies meist nur in einer digitalen Subtraktions- Myelographie (DSM) festgehalten werden.

Tarlov Zysten, auch Wurzeltaschenzysten genannt, sind liquorgefüllte Ausstülpungen der Dura an den Nervenwurzeln. Durch erhöhten Liquordruck können sich die Räume der Nervenwurzeln mit Liquor füllen und zu Zysten anschwellen, wenn der Rückfluss wie bei einem Überdruckventil nicht möglich ist. Oft treten die Zysten einzeln auf, meist am Kreuzbein. Sie können aber auch zahlreich auf Höhe der Brustwirbelsäule vorkommen. Bei zahlreichen Zysten kann die Ursache in einer genetischen Bindegewebserkrankung wie dem Marfan Syndrom oder dem Ehlers- Danlos Syndrom liegen. In der Regel sind Tarlov Zysten Zufallsbefunde und verlaufen meist Symptomfrei. Bei entsprechender Größe kann durch Druck auf benachbarte Nervenwurzeln Rückenbeschwerden, meist in Form eines Nervenkompressionssyndrom enstehen. In seltenen Fällen kann eine Tarlov Zyste platzen oder reißen, wodurch Liquor nach extradural austreten kann.